Die ökumenische Bewegung stellt für uns Christen eine unwiderrufliche Wende dar. Wir sollten aber nicht die Schwierigkeiten vertuschen, denen sie in der heutigen Zeit ausgesetzt ist. Denn gerade weil um das Wort Gottes der ökumenische Geist entsteht, der sich dann in der Religiosität, in der Liturgie und in der Theologie widerspiegelt, stellt eine biblisch-ökumenische Zeitschrift ein bevorzugtes Arbeitsgerät dar.
Wenn man das Neue Testament beim Wort nimmt, so ist die Einheit der Kirche bereits längst eine Tatsache, auch wenn man es erst im Laufe der Geschichte realisieren konnte. Die ersten Christen drückten sich in einer uns überraschenden Art aus: sie sagten, sie seien schon auferstanden und in den Himmel aufgefahren (Ef 2,6; Col 2,12), und das nicht, weil sie die Auferstehung auf eine einfache spirituelle Wiedergeburt limitierten, oder ihr Vertrauen in der Erfüllung der Versprechen Gottes behaupten wollten; es handelt sich vielmehr um eine Bejahung der Kommunion. Wer mit Christus in Gemeinschaft steht, so sehr er sich auch in Schwierigkeiten befindet, der sagt: "Wo er angelangt ist, da bin auch ich angelangt"; in unserem Fall, "wer mit ihm in Gemeinschaft steht, ist auch in Gemeinschaft mit mir". Gibt es nun schon einen Bereich, wo wir diese Einheit bis jetzt erproben können?
Betrachten wir drei davon: - In der Gnade. Unsere Kirchen, alle, sind in einer Vergangenheit voll Resistenz gegen Gottes Wort verwicklet; eine solche Vergangenheit voller Sünden zu teilen, bedeutet für uns Christen eine Ankündigung der Gnade: wir leben alle in der gleichen Erlösung. - In der Hoffnung und in der Unwissenheit; wir wissen nicht, wie sich das Reich Gottes verwirklichen wird, aber daβ es uns geschenkt wird. - Zuletzt im Glauben. Wer am Gottesdienst einer anderen Kirche teilnimmt, der wird oft erstaunt sein, das gleiche Glaubensbekenntnis zu hören, das er gewöhnt ist...die Ankündigung des Evangeliums wird von allen geteilt; sie unterscheiden sich aber in der Art und Weise, wie es verstanden und erklärt wird.
Vor allem steht das Wissen und das Kennen. Die Schriftstücke und die Errungenschaften des Ökumenismus haben aber eine spärliche Risonanz im täglichen Leben unserer Kirchen, und so geschieht es, daβ die Fortschritte ignoriert warden und daβ wir die Anderen eher in einem verzerrten Bild sehen, als in ihrer wahren Gestalt (wie viele sind überrascht zu erfahren, daβ auch Protestanten an die reale Präsenz des Herren in Brot und Wein glauben!).  An zweiter Stelle die Unterschiede. Der groβe Johannes XXIII. hatte die Christen dazu aufgefordert zuerst danach zu suchen, was sie miteinander vereint und nicht danach, was sie unterscheidet. Für die damalige Zeit war das wie eine geglückte Revolution, aber, und das sollten wir nicht vernachlässigen, gerade unter dieser Voraussetzung wollen wir auch das genauer untersuchen, was uns unterscheidet... nicht etwa um festzulegen, wer recht hat oder nicht, oder um Grenzen festzulegen, sondern weil eine Untersuchung der Unterschiede uns einerseits helfen kann, diese zu überwinden und andererseits diese, die nicht zu überwinden sind, dazu helfen, den anderen trotz allem als Bruder zu erkennen, mit dem man zwar in einigen Punkten in Uneinigkeit steht, mit dem aber kann man beten und zeugen.
So kommen wir zum dritten Schritt, die Fähigkeit der Kirchen, sich gegenseitig hinzugeben. Vor einiger Zeit hat die ökumenische Bewegung eine Art "kopernikanische Revolution" erlebt: man hat gemerkt, daβ sich keine der Kirchen in den Mittelpunkt stellen, und die anderen assimilieren darf, sondern daβ das einzige Zentrum, um das alle Kirchen kreisen sollen, alleine Christus ist. Gut, jetzt ist es aber an der Zeit, auch die Anschauung zu überholen, in der jede Kirche seine eigen, aber unabhängige Umlaufbahn verfolgt; wenn wir wollen, daβ unsere Vergangenheit in der Geschichte des Heils einen Wert hat, so darf die Vielfalt nicht einfach einen Zufall sein; die Kirchen sollen nicht nebeneinander existieren, sondern füreinander, indem sie ihre Reichtümer zur Verfügung stellen; hier gilt die evangelische Wirtschaft, laut der nur das unser Eigentum ist, was uns geschenkt wird, ansonsten verliert man es.
Wir sind Gläubige, die verschiedenen Kirchen angehören: Anglikaner, Römisch-Katholiken, Orthodoxe, Protestanten der "historischen" Kirchen (Täufer, Lutheraner, Methodisten, Valdenser) oder der Pfingstler, Altkatholiken; unsere unterschiedlichen Kirchen sind vielen Schwierigkeiten ausgesetzt: das evangelische Zeugnis in einer Welt, die immer multikultureller wird und die Faszination anderer religiöser Traditionen spürt; die Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit, sowohl innerhalb, als auch auβerhalb; der Schutz der Schöpfung; die ökumenische Bewegung fordert uns hier dazu auf, "nicht getrennt zu handeln, wo gemeinsam gehandelt werden kann": deshalb haben wir uns entschlossen, etwas gemeinsam ins Leben zu rufen: ...diese Zeitschrift.
Da erscheint aber gleich ein Problem: die Definition des Begriffes Kirche. Um einen gemeinsamen Anhaltspunkt zu haben, übernehmen wir als Basis den Vorschlag des ökumenischen Kirchenkonzils: die als Kirche anzusehen, die auf die antiken Glaubensbekenntnisse der ungeteilten Kirche (apostolisches und nizeno-konstantinopolisches) zurückgreifen und besonders die, die den Glauben an die Dreieinigkeit und die Inkarnation teilen.
Die Artikel und Rubriken werden zum einen die Bibel betreffen , sowohl unter erläuternden, als auch spirituellen und liturgischen Aspekt (ohne Spiritualität atmet der Glaube nicht), und zum anderen den Ökumenismus; ein Kalender wird auf die wichtigsten ökumenischen Veranstaltungen in Italien und der Welt hinweisen, ihre Dokumente und Ergebnisse aufzeigen, um die Übernahme von Seiten der Kirchen zu vereinfachen. Es wird auch einen Platz für Musik geben, und einen Bereich, um einen Blick auf Bücher zu werfen, die uns besonders interessieren, ohne auf einige Kuriositäten, die den einzelnen Konfessionen angehören, zu verzichten... a propos: überrascht Euch nicht die ökumenische Bewegung sogar in der Küche zu finden: der gelebte und gefeierte Glaube hat sich auch auf diesen Aspekt unseres Lebens ausgewirkt, die Traditionen anderer kennen zu lernen ist auch eine Art aufzunehmen und zu verstehen.
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